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Sexting: Ich zeig Dir meins, zeig Du mir Deins

Nie konnte man sich so nah, obwohl räumlich fern, sein wie heutzutage. Bei Skype und Facetime kann man sich sehen, wann und wo immer man will. Dank diverser Messaging-Apps wie WhatsApp, Snapchat und Co können wir alles, was uns durch den Kopf schießt, sofort mit jemandem teilen. Wenn ein reales tête-à-tête also gerade nicht möglich ist, steht einem virtuellen häufig nichts im Wege. Du solltest Dir aber gut überlegen, was Du mit wem teilst – besonders, wenn Du statt Worten auch Bilder verschickst.

  sexy young woman lying on the bed and make a selfie
 
Was ist Sexting?

Der Begriff Sexting ist eine Mischform aus den Wörtern – logisch – Sex und dem englischen „texting“, das das Versenden von SMS und Nachrichten meint. Sexting bedeutet also das private Austauschen von intimen Nachrichten, Fotos oder Videos via Handy.

Wieso kann Sexting gefährlich werden?

Solange Ihr Euch bei Eurer freizügigen Konversation auf Worte beschränkt, ist das Risiko überschaubar, aber sobald sich zu den Buchstaben auch schmückendes Beiwerk wie Fotos oder Videos gesellen, wird es heikel.

In dem Moment, in dem Du ein Bild verschickst, mag es genau das bezwecken, was Du damit bezwecken möchtest. Aber Du weißt selbst, dass die Fotos im Anschluss selten gelöscht, sondern in den Tiefen des Smartphone-Speichers beziehungsweise der Cloud abtauchen und jederzeit wieder rausgekramt werden können. Und das eben auch zu einem Zeitpunkt, zu dem Dir das äußerst unangenehm sein kann, oder in einem Kontext, der nichts mehr mit der eigentlichen Situation, nämlich einer intimen zwischen Euch beiden, zu tun hat. Und schon hast Du die Kontrolle über Deine Bilder verloren...

 

 

Was dann los ist, wenn diese Fotos, die einst für nur diese eine Person gedacht waren, plötzlich bei Facebook und Co die Runde machen – auweia! Das will man sich lieber nicht ausmalen. Passiert schon nicht, denkst Du? Aber was, wenn Dein Partner irgendwann nicht mehr Dein Partner ist? Was derjenige tut, wenn er verletzt ist oder Dir Dein neues Glück nicht gönnt, kannst Du jetzt noch nicht absehen.

Doch nicht nur ein eifersüchtiger Ex-Partner kann Bilder oder Texte von Dir missbrauchen, sondern auch Fremde, die an solchen Inhalten interessiert sind. Versandte Bilder befinden sich nämlich nicht nur auf Euren Endgeräten, sondern, je nachdem welche App dazu genutzt wird, auch auf dem Server eines Netzwerkes – worauf sich Unbefugte womöglich Zugriff verschaffen können. Eine Studie der Internet Watch Foundation kam 2012 zu dem Ergebnis, dass Sexting-Fotos von Jugendlichen zu 88 Prozent auch auf anderen Internetseiten auftauchen. Autsch.

Was droht jemandem, der solche Dateien weiterleitet?

Wer eigene intime Fotos oder Videos verschickt, macht sich nicht strafbar. Zu Problemen kommt es erst, wenn die Dateien ungefragt und ohne Einverständnis der dargestellten Person weitergeleitet werden. Dann ist das „Recht am eigenen Bild“ verletzt und je nach Foto auch der „höchstpersönliche Lebensbereich“. Und das bedeutet in beiden Fällen, dass die Täter mit einer Freiheits- oder Geldstrafe zu rechnen haben.

 

 
Bin ich mit Apps wie Snapchat auf der sicheren Seite?

Viele nutzen für ihre intimen Botschaften die Apps Snapchat, Clipchat oder Squawk. Genauso wie Fotos bei Tinder nach 24 Stunden automatisch wieder gelöscht werden, haben auch diese Apps eine eingebaute Sicherheitsfunktion: Nach nur wenigen Sekunden zerstören sich versendete Fotos oder Video-Snippets selbst. Ein sicherer Weg für dirty content, will man meinen. Aber lösen sich die Dateien einfach in Luft auf?

Du musst immer im Hinterkopf behalten: Zeit für einen Screenshot ist allemal. Und zack, ist das vermeintlich gelöschte Bild oder Video doch im Handy-Speicher des Empfängers gelandet.

Nachdem sich Hacker 2014 Zugriff auf Millionen Nutzerdaten verschafft haben, wird die Datensicherheit von Snapchat immer wieder in Frage gestellt. Neben dem Offenlegen der Daten wurde auch nachgewiesen, dass sowohl die gesendeten als auch die empfangenen Snapchats noch im temporären Speicher auf den verwendeten Endgeräten zu finden waren.
Und inzwischen gibt es außerdem verschiedene Apps, die das Speichern von Bildern und Videos aus Snapchat ermöglichen, ohne dass der Absender darüber informiert wird.

Wie kann ich mich schützen?

Die sicherste Grundregel ist: Verschicke nichts, womit Du Probleme hättest, wenn es irgendwann die Runde macht. Falls Du aber partout nicht darauf verzichten willst, solltest Du auf jeden Fall darauf achten, dass Du auf den Bildern und Videos nicht zu erkennen bist. Je anonymer das Bild ist, desto sicherer bist Du.

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